Vorstadtdschungel U2: Aus Grau mach Wow!
Titelbild zu Vorstadtdschungel U2: Aus Grau mach Wow!

Vorname

Bernhard

Nachname

Melmer

Deine Idee in deinen Worten

Hitzewellen, Tropennächte, Wetterextreme, “Urban Heat Island”... Worte die man immer öfter liest und selber spürt. Der Klimawandel, von dem seit Jahrzehnten gesprochen wird, ist längst da. Jedes Jahr werden neue traurige Höhepunkte erreicht und vor allem Menschen in Städten werden in Zukunft stark davon betroffen sind.

Um wieder mehr Grün in die Stadt zu bringen, ist meine Idee, die Asphaltflächen und Säulen unterhalb der U-Bahn U2 zu begrünen und zu einem Aufenthaltsplatz umzugestalten.

Was ist das Problem?
Durch den Verlauf der Strecke über der Erde ist eine Betonfläche entstanden, welche nicht nur einiges an Platz wegnimmt, sondern tagsüber die Hitze stark speichert und in der Nacht abgibt. Während die Flächen rechts und links davon verbaut werden, ist die Fläche unterhalb der U-Bahn meist ungenutzt, oder dient als Parkplatz für Autos. Auch wenn die U2 eine riesige Bereicherung für die Donaustadt ist, sind die Betonflächen abschreckend und nicht mehr attraktiv für die BewohnerInnen. Um zu verhindern, dass die Gegend entlang der U2 nur leere Betonplätze bleiben, gilt es diese Bereiche mit Hilfe von Begrünungsmaßnahmen für Anrainer (und die gesamte Stadt) attraktiver zu machen. Konkret gilt es den
Vorplatz der U2 Station Stadlau zwischen U-Bahn Eingang und Mühlgrundgasse durch Begrünung zu attraktiveren.

Damit Wien die lebenswerteste Stadt der Welt bleibt, braucht es eine Vielzahl an Maßnahmen um dagegen anzukämpfen. Doch gerade der 22. Bezirk, einer der grünsten Bezirke Wiens, leidet zunehmend unter der Versiegelung, also starker Verbauung und Betonierung ehemals grüner Flächen. Die Gefahr besteht, dass der grünste Bezirk Wiens eher zu einem "grauen Bezirk" wird. Sieht man sich die Karte der Hitzeinseln in Wien an, merkt man, dass sich die U2 wie eine Asphalt-Schlange durch die Donaustadt schlängelt (siehe: Wiener Hitzekarte - Wo Abkühlung am dringendsten nötig ist). Die Begrünung dieser Flächen kann vor allem zwei positive Auswirkungen haben.

1. Temperaturregulierung: Ähnlich der Fassadenbegrünung wird das "Kleinklima positiv [beeinflusst], da Pflanzen Schatten werfen und über die Blätter Wasser verdunsten. Sie haben somit die Funktion einer lokalen "naturnahen Klimaanlage". Dieser Effekt ist umso größer, je mehr Gebäude eines Gebietes begrünt werden" (Zitat: Gute Gründe für begrünte Fassaden, Dächer und Innenhöfe)

2. Standortattraktivierung: Durch eine Begrünung und möglicherweise Sitzgelegenheiten kann eine ehemals leerstehende Betonfläche für Anrainer zum Begegnungsraum werden. Der Platz soll damit nicht mehr nur eine Durchzugsstraße für Menschen am Weg zur U-Bahn sein. Dieser Punkt lässt sich auch als guter Grund für Fassadenbegrünung von der Stadt Wien finden: “Sie erhöhen die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Stadtquartieren, was sich wiederum positiv auf die Attraktivität für Fußgängerinnen und Fußgänger, auf die Lokalszene oder das Nahversorgungsangebot auswirkt.” (Zitat: Gute Gründe für begrünte Fassaden, Dächer und Innenhöfe)

Durch die innovative Idee der Begrünung und Nutzung der Infrastruktu von öffentlichen Verkehrsmittel, soll die Wildnis wieder in die Vorstadt und den 22. Bezirk zurückgebracht werden. Dadurch kann die Lebensqualität für die Anrainer aufgewertet werden und das Stadtklima verbessert werden.

Umsetzungsort

Donaustadt Vorplatz U2 Stadlau zwischen Ubahn Eingang und Mühlgrundgasse - Begrünung der Säulen (siehe Fotos).

Was ist nötig, um deine Idee umzusetzen?

Für die Begrünung der U-Bahn Säulen gibt es, ähnlich wie bei der Fassadenbegrünung, zwei Varianten. Aufgrund der Infrastruktur gilt es eine möglichst günstige, aber auch schonende Umsetzung zu bedenken. Die bereits betonierte Fläche kann nicht verändert werden und so kann auch kein Zugang zur Erde geschaffen werden. Dadurch eignet sich eine troggebundene Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen. Sie kann schnell aufgebaut werden und ermöglicht eine zielorientierte Bepflanzung. Außerdem ist eine troggebundene Lösung weniger invasiv. Um die Trägersäulen der U-Bahn zusätzlich zu schützen könnte auch ein Schutz in Form eines Gitters angedacht werden, welcher die Säulen vor dem direkten Kontakt vermeidet. Auch bei der Wahl der Pflanzen gibt es eine breite Palette an Möglichkeiten, welche flexibel an die Möglichkeit des Ortes angepasst werden können. So kann zwischen Selbstklimmer oder Gerüstkletterpflanzen, hochwachsenden oder niedrig bleibenden Pflanzen, Pflanzen mit hohen Lichtansprüchen oder wenig Lichtansprüchen etc. entschieden werden, welche je nach Gegebenheit am Besten wachsen. Es sind mit Kosten von 250.-bis 800.- Euro exkl./ m2 für die Installation zu rechnen.

Die Stadt Wien hat in ihrem Leitfaden zur Fassadenbegrünung einige Vorschläge, welche an dem, in diesem Projekt, angesprochenen Platz umgesetzt werden kann. Die Projektidee richtet sich dementsprechend nach diesem Leitfaden.

Zusätzlich benötigt es eine Zustimmung der Wiener Linien, welche sich auch stark der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Im Sinne der Begrünung werben sie außerdem mit dem Slogan “Greener Linien”. Auf Anfrage geben die Wiener Linien zwar an, dass eine Begrünung der Säulen aufgrund der hohen Personalkosten nicht möglich ist, dieses Problem kann jedoch durch eine Förderung der Stadt Wien behoben werden und könnte zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. In diesem Rahmen könnte dann die Begrünung der U-Bahn Säulen als Pilotprojekt für ein europaweites Leuchtturmprojekt gesehen werden. Als Best-Practice Beispiel kann hier auch Via Verde in Mexico-Stadt hervorgehoben werden.

Welche Betreuung wird nach der Umsetzung nötig sein?

Die Pflege von Fassadenbegrünung ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie der Pflanzenart, Bepflanzungsmethoden, Bepflanzungshöhe und den Bedingungen der Infrastruktur. Neben einer jährlichen Inspektion und Instandhaltung von ExpertInnen können für die Betreuung die BewohnerInnen der Gegend involviert werden. In der Gegend gibt es ein Jugendzentrum, eine Pfarre mit einer engagierten Gemeinde, sowie eine Projektgruppe der Lokalen Agenda Wien, speziell für den Bezirksteil Stadlau. So könnte eine Grätzlinitative entstehen und diese Gegend zur Begegnungszone machen. Für die Bewässerung könnte direkt das Abwasser und Regenwasser genutzt werden, da entlang der Säulen Abwasserrohre angebracht sind.

Genaue Informationen über die Pflege seitens der ExpertInnen und dem Aufwand lassen sich ebenfalls im Leitfaden zur Fassadenbegrünung in Wien finden. “Das Ausmaß der Pflege, Instandhaltung und der damit verbundenen Kosten wird einerseits durch die Begrünungsform [...] bestimmt, andererseits durch die Erschließung und Zugänglichkeit des Objektes [...]. (Zitat: Leitfaden Fassadenbegrünung 2019).

Kann man deine Idee auch anderswo umsetzen?

Die Idee versteht sich als Pilotprojekt, welches an vielen Stellen entlang der Oberflächlich geführten U-Bahn eingesetzt werden kann. Eine großflächige Umsetzung des Projekts macht nicht nur Grätzl attraktiver, sondern kann auch als Vorzeigeprojekt in Europa gesehen werden. Die Kosten könnten dann auch durch die internationale Aufmerksamkeit und den Kühleffekt auf die Umgebung ausgeglichen werden. Statt grauen Asphalt-Strecken könnten sich grüne U-Bahn Trassen durch Wien schlängeln und zusätzlich die Umgebung abkühlen. Das ist gerade in den Bezirken, wie der Donaustadt wichtig, welche stark wachsen und immer stärker verbaut und betoniert werden.

Was erhoffst du dir von der Umsetzung deiner Idee?

Für innovative Ideen, die auch positive, nachhaltige Wirkung zeigen sollen, braucht es die Zusammenarbeit von allen Seiten. Gerade im öffentlichen Raum treffen die Interessen von vielen Stakeholdern (AnrainerInnen, Unternehmen, Politik, NutzerInnen der Öffis etc.) zusammen. Es benötigt daher durchdachte Pläne und die die Bereitschaft zur Veränderung die anfangs auch höhere Kosten beanspruchen können und gegen die Bequemlichkeit von vielen Menschen gehen. Um eine lebenswerte Zukunft zu garantieren, braucht es jetzt aber auch Visionen für urbane Räume und mutige Pläne.

Auch GRÜNSTATTGRAU, die Kompetenzstelle für Bauwerksbegrünung hat auf Anfrage angegeben, dass durch die Begrünung positive Effekte auf die Umgebung zu erwarten sind. Generell gibt es auch immer mehr Unternehmen, ExpertInnen, Vereinen wie der Lokalen Agenda Donaustadt oder Grätzlorganisationen für Begrünung in urbanen Räumen einsetzen. Diese einzubeziehen kann zu der oben erwarteten Zusammenarbeit führen um die Visionen zur Realität werden zu lassen. So erhoffe ich mir die Umsetzung meiner Projektidee: Vorstadtwildnis U2: Aus Grau macht Wow!



signal-2021-03-27-080130.jpeg